TOhn-Produktion

Sie ließen die romantischen Saiten des Barocks erklingen

Von Heike Linde-Lembke

Bad Bramstedt. Wer im schleswig-holsteinischen Festival-Fieber bestehen will, muss das eher ungewöhnliche Konzert bieten. Beispielsweise ein Duo-Konzert Orgel oder Cembalo und Viola. Viel Literatur gibt es dafür nicht, und so griffen Organist Ulf Lauenroth und Bratschist Semjon Kalinowsky auf Bearbeitungen zurück, so im Konzert G-Dur von Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767).

Sonaten und Konzerte aus der Zeit des Barocks war das zweite und letzte Sommerkonzert in der Maria-Magdalenenkirche überschrieben, und gleich mit der Telemann-Bearbeitung bot das Duo Kalinowsky und Lauenroth den rund 80 Zuhörerinnen und Zuhörern in der Kirche einen gediegenen Einstieg, zumal die tiefe Bratsche und die hohen Töne des Cembalos apart harmonierten.

Mit der Sonate g-Moll für Bratsche und Cembalo von Henry Eccles entfaltete Kalinowsky seine romantische Ader und blieb dabei. Zitierte der gebürtige Ukrainer im Telemann-Konzert noch treu den barocken Klang, so verführte ihn Eccles Werk zur romantischen Interpretation.

Vollends packte er das Publikum in seinem Solo, der Caprice C-Dur von Franz Anton Hoffmeister (1754 bis 1812). Dieser Bratschist lächelt die Noten an und erschließt sie für sein Publikum in wunderbare Musik. Kalinowsky zeigte in seinem Solo seine Lust am Fabulieren und variierte die Caprice, die kleine Verrücktheit, nach Herzenslust. Ulf Lauenroth stand ihm seinerseits in seinem Solo mit Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge a-Moll auf der Orgel in nichts nach.

Ein wunderbar stimmiges Zusammenspiel durch alle vier Sätze boten die Musiker als Duo in der Sonate G-Dur für Bratsche und Orgel von Benedetto Marcello (1686 bis 1739). Viel Gefühl legte Kalinowsky ins Grave, das er weich, mit einigen sehnsüchtigen Trillern spielte. Barock pur wieder mit Antonio Vivaldi und dem Concerto C-Dur. Lauenroth und Kalinowsky arbeiteten die klangliche Vielfalt des Venezianers vortrefflich aus und geizten nicht mit Verzierungen. Die Viola spielte ein schmerzlich-schönes Largo, behutsam von der Orgel begleitet. Das Allegro gingen sie derart vehement an, dass die Kongruenz nicht immer gegeben war, aber was machte das bei der Spielfreude. Die wiederholte sich bei der Zugabe, dem Grave aus einem Concerto des tschechischen Komponisten Jan (Johan) Benda.

"Im nächsten Jahr gibt es wieder sechs Sommerkonzerte", versprach Organist Ulf Lauenroth, auch Kantor der Maria-Magdalenen-Kirche.

(erschienen am 6. August 2007 in der Norderstedter zeitung)

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